Interview mit Martina Schinke: Welche Entwicklungen Immobilienverwaltungen jetzt im Blick haben sollten
Martina Schinke beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit der Immobilienwirtschaft, vornehmlich in der Immobilienverwaltung. Sie gestaltet Fortbildungen, u.a. für den BVI e.V. (Bundesfachverband der Immobilienverwalter), sowie zusätzlich für Partnerunternehmen der Wohnungswirtschaft und eigene Veranstaltungen.
Was müssen Verwalter zum Heizungsgesetz 2.0 wissen?
Frau Schinke, viele Eigentümer suchen aktuell Orientierung. Welche Erkenntnisse lassen sich bereits heute aus den bekannten Informationen über das neue Gebäudemodernisierungsgesetz ableiten und welche Chancen ergeben sich daraus für Eigentümergemeinschaften?
Die wichtigste Erkenntnis für mich ist, dass die Energiewende im Gebäudebestand künftig deutlich stärker über Kosten gesteuert wird. Eigentümergemeinschaften erhalten mehr Freiheiten bei der Wahl ihrer Technik. Gleichzeitig gewinnen CO₂-Bepreisung, Energiekosten und langfristige Betriebskosten erheblich an Bedeutung.
Die zentrale Frage lautet deshalb künftig weniger: „Welche Technik wird bevorzugt?“ sondern: „Welche Lösung ist für unser Gebäude langfristig wirtschaftlich sinnvoll?“
Und genau darin sehe ich die Chance. Eigentümergemeinschaften können wieder stärker vom eigenen Gebäude aus denken. Sie können verschiedene Wege vergleichen und Entscheidungen treffen, die zu ihrer Immobilie, ihrer Rücklage und ihrer Gemeinschaft passen. Wer sich frühzeitig mit diesen Entwicklungen auseinandersetzt, kann Investitionen gezielter vorbereiten und Beschlüsse fundierter fassen.
Welche Aussagen des bisherigen Heizungsgesetzes werden durch das GModG neu bewertet und was bedeutet das konkret für bestehende Gas- und Ölheizungen?
Ich glaube, wir dürfen uns von der Vorstellung verabschieden, dass eine einzige Heizung die nächsten 30 Jahre alle Antworten liefert. Die Realität wird sich aus meiner Sicht deutlich vielfältiger entwickeln.
Genau deshalb gewinnen hybride Lösungen an Bedeutung. Vielleicht steht künftig nicht mehr nur eine Heizung im Keller, sondern mehrere Technologien ergänzen sich. Photovoltaik kann eine Rolle spielen, ebenso wie der spätere Anschluss an ein Wärmenetz. Die Chance liegt darin, Übergänge aktiv zu gestalten.
Eigentümergemeinschaften müssen heute keine perfekte Lösung für die nächsten 30 Jahre finden. Sie können Entscheidungen treffen, die heute sinnvoll sind und gleichzeitig Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft offenhalten.
Für mich ist das eine der wichtigsten Entwicklungen: Wir sprechen künftig weniger über Entweder-oder und stärker über intelligente Kombinationen und Entwicklungsschritte.
Welche Bedeutung haben kommunale Wärmeplanung, CO₂-Bepreisung und Förderungen künftig im Zusammenspiel?
Früher wurde häufig mit Erfahrungswerten gearbeitet. Heute betrachten wir Gebäude immer genauer. Energieverbräuche, zukünftige Energiekosten, Fördermöglichkeiten, Sanierungszustände, Wärmeplanung und technische Kombinationen greifen immer stärker ineinander. Die kommunale Wärmeplanung spielt dabei eine wichtige Rolle, weil sie erstmals aufzeigt, wie sich die Versorgung im Quartier entwickeln könnte.
Das ersetzt keine Entscheidung, schafft aber eine wichtige Grundlage für die Frage: Setzen wir auf eine langfristige Lösung — oder gestalten wir bewusst einen Übergang?
Einfache Standardlösungen werden seltener. Dafür wächst die Zahl der Möglichkeiten – und damit auch die Verantwortung, die passende Lösung für das jeweilige Gebäude zu finden. Für viele Eigentümergemeinschaften wird die Zusammenarbeit mit Energieeffizienzexperten oder Fachplanern zur zentralen Voraussetzung für tragfähige Investitionsentscheidungen.
Deshalb werden fundierte Analysen künftig eine deutlich größere Rolle spielen.
Welche Auswirkungen könnte das GModG für laufende und kommende Eigentümerversammlungen haben?
Die Rolle des Verwalters wird in den kommenden Jahren noch wichtiger werden. Eigentümer werden mit sehr unterschiedlichen Informationen konfrontiert. Gleichzeitig verändern sich Rahmenbedingungen und Technologien in kurzen Abständen. Das führt häufig zu Unsicherheit und unterschiedlichen Erwartungen innerhalb der Gemeinschaft.
Umso wichtiger ist eine Instanz, die Informationen einordnet und Orientierung bietet Dabei geht es weniger darum, jede technische Frage selbst beantworten zu können. Entscheidend ist, die richtigen Informationen zu organisieren und verlässliche Experten einzubinden, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen.
Eigentümerversammlungen werden deshalb stärker davon geprägt sein, Zusammenhänge verständlich zu machen und Sicherheit für die nächsten Schritte zu geben. Der Verwalter bleibt Organisator – und wird zunehmend zum Lotsen durch eine komplexer werdende Entscheidungslandschaft.
Was sollten Immobilienverwaltende im Sommer 2026 wissen, um Eigentümer sicher durch die kommenden Monate zu begleiten?
Viele Eigentümer hören aktuell die Botschaft: Gas und Öl bleiben möglich. Daraus entsteht schnell der Eindruck, dass sich wenig verändert. Genau hier ist eine sachliche Einordnung entscheidend.
Die europäischen Ziele im Gebäudebereich bestehen weiterhin. Verändert hat sich vor allem der Weg, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Deshalb geht es jetzt nicht darum, möglichst schnell Entscheidungen zu treffen, sondern darum, fundierte Informationen bereitzustellen.
Eigentümer beschäftigen sich in der Regel nicht kontinuierlich mit Energiepolitik oder Förderlandschaften. Sie sind darauf angewiesen, dass ihre Verwaltung Entwicklungen verständlich einordnet und Orientierung gibt.
Was sollten Verwalterinnen und Verwalter heute konkret tun, um gut auf die nächsten Jahre vorbereitet zu sein?
Entscheidungen in Eigentümergemeinschaften entstehen oft über mehrere Jahre. Wer jetzt beginnt, die Ausgangssituation des Gebäudes zu analysieren und mögliche Entwicklungen zu betrachten, schafft eine solide Grundlage.
Einige Punkte, die bedacht werden sollten, sind:
- Bestandsaufnahme der Heiztechnik + Gebäudezustand
- Wärmeplanung der Kommune aktiv prüfen
- Fördermöglichkeiten frühzeitig klären
- Szenarien (Kurzfrist vs. langfristige Lösung) vorbereiten
So können Verwalter fundierte Beschlussgrundlagen schaffen. Denn Eigentümergemeinschaften müssen heute nicht alles abschließend entscheiden. Sie profitieren jedoch davon, frühzeitig eine klare Richtung für ihr Gebäude zu entwickeln.
Carolin Will
Jetzt bei den MONTANA Newslettern anmelden!
Themen zur Haustechnik für Liegenschaften
MONTANA Verwalterbrunch NRW
Was bedeutet das GModG für Hausverwalter?