08.10.2026

Energiebeschaffung in Krisenzeiten: Warum ein kühler Kopf jetzt wichtiger ist denn je

Mit dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten ist an den Energiemärkten erneut Unruhe aufgekommen. Viele Hausverwalter reagieren durch die anhaltenden Unruhen verunsichert. Doch ein Blick zurück zeigt: Schon während der Energiekrise 2022 war Panik kein guter Ratgeber – insbesondere nicht beim Einkauf von Strom und Gas.
Frau im Büro blickt konzentriert auf ihren Laptop zur fundierten Energiebeschaffung.

Hinweis: Der Beitrag wurde am 13.10.2026 erstellt und basiert auf dem Sachstand zu diesem Zeitpunkt.
Inhalte können aufgrund nachträglicher Entwicklungen, die zu Redaktionsschluss nicht absehbar waren, überholt oder unzutreffend sein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Geopolitische Krisen sorgen auf den Energiemärkten kurzfristig für Preisschwankungen, langfristig sind sachliche Marktanalyse und Strategie wichtiger als emotionale Entscheidungen. 
  • Gaspreise, LNG-Nachfrage, Speicherstände und CO₂-Bepreisung beeinflussen Strom- und Gaspreise – viele aktuelle Effekte sind jedoch kurzfristig. 
  • Terminmärkte zeigen sinkende Energiepreise durch Ausbau erneuerbarer Energien, mehr LNG-Angebot und perspektivisch stabilere Nachfrage. 

Langfristige Energielieferverträge mit Laufzeiten von vier oder fünf Jahren mögen auf den ersten Blick Sicherheit versprechen. Ob sie tatsächlich Vorteile gegenüber kürzeren Laufzeiten bieten, lässt sich jedoch nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist gerade in Krisenzeiten vielmehr eine sachliche Einordnung der Marktlage. 

 

Emotionen raus, Fakten rein 

„Sentiment“ – also die Marktstimmung – spielt eine zentrale Rolle im Energiehandel. Dennoch gilt: Wer sich zu sehr von Emotionen leiten lässt, trifft selten optimale Entscheidungen. Professionelle Händler versuchen daher bewusst, emotionale Einflüsse auszublenden und stattdessen auf Daten, Zusammenhänge und langfristige Entwicklungen zu schauen. 

 

Die wichtigsten Begriffe im Energiemarkt 

Um die Dynamik besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf zentrale Fachbegriffe: 

  • Spotpreise bezeichnen Preise für kurzfristige Lieferungen bis zum Ende des laufenden Monats – mit entsprechend hohem Risiko, da keine Absicherung möglich ist. 
  • Terminpreise hingegen gelten für zukünftige Lieferungen und bilden die Grundlage für Festpreisverträge. 
  • Im Strommarkt wird zudem zwischen Base (Grundlast, rund um die Uhr) und Peak (Spitzenlast, werktags tagsüber) unterschieden – auch wenn diese Unterscheidung heute weniger stark gewichtet wird als früher. 

Weitere wichtige Einflussgrößen sind: 

  • EUA-Zertifikate (CO₂-Emissionsrechte) 
  • LNG (verflüssigtes Erdgas, global handelbar) 

 

Was treibt die Preise? 

Die Preisbildung bei Strom und Gas ist komplex und von zahlreichen Faktoren abhängig: 

Aktuelle Marktsituation

Iran-Krieg, EU-ETS-Diskussion und leere Speicher

Frontjahre Strom (Base), Gas EEX (€/MWh) und EUAs in (€/t) – Oktober 2025 bis Oktober 2026

Aktuelle Lage: hohes Risiko, geringes Angebot und steigende Nachfrage treiben Preise

Während Experten im Frühjahr noch erwarteten, dass preissteigernde Effekte kurzfristig sein und Risiken schnell von den Märkten ausgepreist würden, stiegen die Preise im Jahresverlauf deutlich, insbesondere für Strom.

Ein zentraler Unsicherheitsfaktor war im ganzen Jahr der Konflikt um den Iran. Die Straße von Hormus – durch die rund ein Fünftel der globalen Energieflüsse läuft – ist ein kritischer Engpass. Auch wenn Europa direkt weniger betroffen ist, beeinflusst die Situation die globalen Preise erheblich, da die Transportkosten (v.a. Versicherungen) für LNG-Transporte deutlich steigen.

Durch die hohen Preise stellten viele Unternehmen ihre Nachfrage lange zurück. Diese kommt gezwungenermaßen in den Markt, wodurch zunächst auch weiterhin keine dauerhafte Preisreduktion absehbar ist. 

 

Die unterschätzte Rolle der Gasspeicher 

Langfristig relevant ist auch die Situation der Gasspeicher. Diese sind vergleichsweise leer – unter anderem, weil sich das Einspeichern wirtschaftlich 2026 wenig gelohnt hat. Ein entscheidender Faktor ist dabei der sogenannte Spread zwischen Sommer- und Winterpreisen: Normalerweise ist Gas im Winter teurer, was das Einspeichern im Sommer attraktiv macht. Aktuell ist dieser Zusammenhang jedoch teilweise umgekehrt.

Dennoch: Europa ist ein vernetzter Markt. Höhere LNG-Importe, flexible Lieferketten und Speicher im Ausland sorgen dafür, dass Engpässe oft schneller ausgeglichen werden, als es auf den ersten Blick scheint. Auch ist der Gasbedarf seit 2022 um 10 bis 20 Prozent gesunken.

Gasversorgung – angespannte Speichersituation

Speicherstände in Deutschland auf 5-Jahres-Tief: Grund zur Sorge?

Speicherstände aktuell sehr niedrig​

  • Problem: minimaler Wert ist nicht 0, ca. 10% sollten nicht unterschritten werden​
  • Deutschland: ca. 25% des dargestellten Speichervolumens​
  • Winter kann sich auch in den April/Mai hinziehen…

Speicherstände Erdgas, Quelle: Montel

CO₂ als dauerhafter Preistreiber 

Ein Faktor wird langfristig bleiben: die CO₂-Bepreisung. Während sie im Strommarkt bereits fest etabliert ist, gewinnt sie im Gasbereich zunehmend an Bedeutung. Spätestens ab 2028, wenn der Emissionshandel weiter liberalisiert wird, dürfte der Einfluss deutlich steigen. 

Das bedeutet: Energiekosten werden künftig nicht nur durch Angebot und Nachfrage bestimmt, sondern auch durch die Kosten der Emissionsvermeidung. 

Einfluss von CO₂ auf Strom- und Gaspreis

Gas: BEHG (NEHS) wird überführt in EU ETS2​

  • BEHG: 2026 – mind. 55 €/t (ca. 11 €/MWh)​
  • Wahrscheinlich nehs auf 2027 verlängert mit gleichem Korridor​
  • Verschiebung freier Handel auf 2028 statt 2027​
  • Preise ab 2028 – frei: Reformdiskussion vs. Verknappung

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Blick in die Zukunft:

So könnten sich die Energiepreise langfristig entwickeln

Für die mittelfristige Preisentwicklung sprechen derzeit mehrere Faktoren für ein eher entspanntes Marktumfeld. Eine hohe Verfügbarkeit von LNG auf dem Weltmarkt sowie der fortschreitende Ausbau erneuerbarer Energien sorgen tendenziell für zusätzlichen Druck auf die Energiepreise.

Gleichzeitig bleiben kurzfristige Chancen und Risiken bestehen. Ein Friedensschluss in aktuellen geopolitischen Konflikten würde die Märkte voraussichtlich deutlich beruhigen und damit für ein bearishes Marktumfeld mit sinkenden Preisen sorgen. Allerdings könnte die aktuell zurückgestaute Nachfrage vorübergehend preisstützend wirken, insbesondere bis in den November hinein.

Eine entscheidende Rolle wird zudem die Wetterentwicklung spielen, vor allem mit Blick auf den kommenden Winter. Derzeit gilt die Wahrscheinlichkeit für ein El-Niño-ähnliches Wettermuster als erhöht. Das könnte einen vergleichsweise milden Winter begünstigen und damit die Nachfrage nach Erdgas reduzieren. Gleichzeitig bleibt das Risiko eines sogenannten Sudden Stratospheric Warming bestehen. Dabei wird der Polarwirbel gestört, Westwinde schwächen sich ab und kalte Luftmassen aus Sibirien oder der Arktis können nach Europa vordringen. Insbesondere bei niedrigen Gasspeicherständen könnte ein solches Wetterereignis erhebliche Auswirkungen auf die Preisentwicklung haben und zu deutlichen Marktreaktionen führen.

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MONTANA Tipp

Energiebeschaffung 2027


Angesichts der weltweit hohen LNG-Verfügbarkeit und des kontinuierlichen Ausbaus erneuerbarer Energien sprechen die aktuellen Marktbedingungen tendenziell für ein sinkendes Preisniveau. Dennoch bleiben kurzfristige Marktschwankungen möglich. Um Chancen im Markt zu nutzen und gleichzeitig Risiken zu begrenzen, empfiehlt sich eine schrittweise Beschaffung der Energiemengen für 2027 über mehrere Zeitpunkte hinweg, beispielsweise in wöchentlichen Tranchen. Dadurch lässt sich das Risiko ungünstiger Einstiegszeitpunkte reduzieren.

Aus Sicht von MONTANA bietet sich für das Lieferjahr 2027 zudem eine Kombination aus Preisabsicherung und Marktflexibilität an. Bewährt haben sich Mischmodelle aus Festpreis- und Spotpreisanteilen. Je nach individueller Risikobereitschaft wird dabei ein Teil des Bedarfs zu einem festen Preis abgesichert, während der verbleibende Anteil von den Entwicklungen am Spotmarkt profitiert. So lassen sich Planungssicherheit und Marktchancen sinnvoll miteinander verbinden.

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