23.03.2026

Niedrige Speicherstände, nervöse Märkte: Wie steht es um die Gasversorgung?

Zum Ende des Winters sind die Gasspeicher in Deutschland deutlich leerer als in den Vorjahren: Bereits Anfang Februar betrug der Füllstand weniger als 30 Prozent, am Monatsende lag der Wert sogar um die 20-Prozent-Marke. Bundesregierung und Bundesnetzagentur sehen trotz der Entwicklungen im Nahen Osten keine drohende Knappheit. 
Gelbe Gasleitungen mit roten Absperrventilen vor blauem Himmel – Symbolbild zur Energieversorgung und gesetzlichen Umlagen in Deutschland

Das Wichtigste in Kürze

  • Die deutschen Gasspeicher sind Anfang 2026 leerer als in den Vorjahren, aber das ist kein direkter Indikator für die Versorgungssicherheit mehr
  • Die Direktversorgung über den Europäischen Markt wurde nach der Energiekrise 2021 verstärkt, sodass mehr Flexibilität herrscht
  • Der Nahost-Konflikt hat somit mehr Einfluss auf die Gaspreise als auf die Versorgungssicherheit

Niedrige Speicherstände – aber kein Alarmzeichen

Die Gasreserven sind im Vergleich zu den vorangegangenen Wintern tatsächlich deutlich geringer. Die Speicher allein sind heute jedoch kein verlässlicher Gradmesser mehr für die Versorgungssicherheit. Ihre Rolle hat sich verändert: von der zentralen Sicherheitsreserve hin zu einem Baustein unter mehreren.

Neue Importstruktur macht flexibler

Der wichtigste Grund für die Gelassenheit liegt in der globalen Marktsituation. Das weltweite Gasangebot war im Winter 2025/26 gut verfügbar, die Lieferketten waren stabil. Unter anderem ist das in der veränderten Importstruktur Deutschlands begründet: Gas wird heute aus deutlich mehr Quellen bezogen. Die vier in Rekordzeit errichteten LNG-Terminals an der Nord- und Ostsee ermöglichen kurzfristige und flexible Flüssigerdgaslieferungen aus unterschiedlichen Herkunftsländern, wobei die USA der wichtigste Lieferant sind.

Auch deren Konflikt mit dem Iran gefährdet laut Experten die Versorgungssicherheit nicht unbedingt direkt. Die Preise könnten aber auf dem höheren Niveau bleiben. Grund dafür ist, dass LNG-Importe durch Pipelinegas ergänzt werden. Dieses wird heute nicht mehr aus Russland, sondern zum größten Teil aus Norwegen und den Niederlanden bezogen. Zudem ist Deutschland sehr gut in das europäische Gasverbundsystem integriert und wird somit bei Bedarf auch über die Nachbarländer (z. B. Belgien, Frankreich, Polen) versorgt, die ebenfalls über etablierte Infrastrukturen und größere LNG-Importkapazitäten verfügen. Deutschland ist also sehr viel breiter aufgestellt als früher und kann die laufenden Bedarfe in hohem Maß über aktuelle Zuflüsse abdecken – und ist somit weniger stark als früher auf die Speicher angewiesen.

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Speicher werden gezielter eingesetzt

Die Speicher haben damit etwas an strategischer Bedeutung verloren. Sie sind vor allem wichtig, um kurzfristige Spitzen auszugleichen oder auf extreme Kälteperioden zu reagieren.

Solange die laufenden Importe stabil sind, ist ein niedrigerer Füllstand jedoch kein Zeichen für eine kritische Lage. Für die Praxis bedeutet das: Die zuverlässige Wärmeversorgung von Wohn- und Gewerbeimmobilien war und ist gewährleistet. Auch für kommende Winter ist weniger der absolute Speicherstand entscheidend, sondern das Zusammenspiel aus Importen, Marktpreisen und Infrastruktur.

Niedrige Gasspeicherfüllstände sind kein Grund zur Sorge

Der Alarmismus um niedrige Gasspeicherfüllstände greift zu kurz. Der Winter 2025/26 hat gezeigt, dass eine diversifizierte Importstrategie und eine gute weltweite Angebotslage die wesentlichen Garanten für eine sichere Versorgung sind. Gas aus dem Nahen Osten spielt für Deutschland kaum eine Rolle, auch wenn die Entwicklungen die Börsenpreise hochtreiben.

Denkbar ist, dass die EU oder die Bundesregierung die Füllstandsvorgaben nachschärfen oder der Aufbau einer strategischen Gasreserve beschlossen wird. Für Immobilienverwalter ist das eine wichtige Einordnung – gerade im Austausch mit Eigentümern und Mietern, die durch öffentliche Debatten verunsichert sein könnten.

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