Strompreisentwicklung 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Der Strommarkt verzeichnete im dritten Quartal einen deutlichen Preisanstieg von rund 110 € auf zeitweise über 150 €.
- Hohe Temperaturen, geringe Windeinspeisung und eingeschränkte Wasserverfügbarkeit reduzierten die Stromerzeugung aus Wind-, Wasser- und Kernkraft und erhöhten den Einsatz von Gaskraftwerken.
- Die hohen Gaspreise prägten maßgeblich die Entwicklung am Strommarkt und sorgten für anhaltenden Aufwärtsdruck bei den Stromnotierungen.
Strompreisentwicklung bleibt aufwärtsgerichtet
Der Strommarkt stand zum Quartalsbeginn unter dem Einfluss hoher Gaspreise, stabiler CO2-Notierungen und wetterbedingter Fundamentaldaten. Das Kalenderjahr 2027 im Strom Base setzte den Aufwärtstrend fort und handelte Anfang Juli bei 110 € und stieg im September zeitweise auf über 135 €, einen Höchstwert seit Oktober 2023.
Temperaturen beeinflussen Strompreisentwicklung
Die Temperaturen in Deutschland lagen im Sommer 2026 deutlich über demn langjährigen Durchschnitt, was den Strombedarf zur Kühlung erhöhte. Gleichzeitig blieb die Windeinspeisung deutlich unter dem Durchschnitt. Die hohe PV-Erzeugung von rund 20 GW konnte diesen Effekt teilweise kompensieren, verhindert aber hohe Preise in den Abendstunden nicht.
Die Hitze sorgte für eine geringe Wasserverfügbarkeit, was die Stromerzeugung in mehreren Ländern belastete. In Frankreich war die Kernkraft durch hohe Temperaturen eingeschränkt, während niedrige Pegel an Donau und Rhein zusätzliche Risiken für Kraftwerke und Transporte schafften. Auch in Österreich, der Schweiz und Italien lag die Wasserkrafterzeugung deutlich unter der Norm. Eine Normalisierung der Temperaturen für den September sowie eine verbesserte Verfügbarkeit von Kern- und Wasserkraftkapazitäten lässt ließ den Anteil der gasbasierten Stromerzeugung zumindest vorerst wieder sinken.
Gaspreis diktiert weiterhin die Strompreise
Solange die Gaspreise hoch bleiben und die Wetterlage dafür sorgt, dass Gaskraftwerke preissetzend sind, werden die kurzfristigen Stromnotierungen nicht fallen. Kurzfristig könnten milde Temperaturprognosen im Oktober und eine gute Eerneuerbaren- Energieerzeugung entlastend auf den Preis wirken. Insgesamt bleibt der Strommarkt von den Entwicklungen am Gasmarkt geprägt, wodurch der mittelfristige Trend weiterhin aufwärtsgerichtet bleiben dürfte.
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Zusammensetzung des Strompreises
Neben den Beschaffungspreisen, die die Kosten für die Energieerzeugung abdecken, besteht Ihr Strompreis aus folgenden Bestandteilen:
Netznutzungsentgelte, Kosten für Vertrieb und Abrechnung, Steuern und Abgaben
Beispielhafte Darstellung für Haushaltskunden in Deutschland bei
3.500 kWh
- 31 % Netzentgelte und Konzessionen
- 31 % staatlich festgelegte Steuern und Abgaben
- 31 % Kosten für Beschaffung
- 7 % Kosten für Vertrieb und Abrechnung (MONTANA)
(Quelle MONTANA, Stand: Januar 2026)
Ab Sommer nahm der Preisdruck deutlich zu
Die Strompreise entwickelten sich 2026 unter starken Schwankungen insgesamt deutlich aufwärts. Nach einer weitgehend stabilen Entwicklung zu Jahresbeginn fielen die Preise zunächst und erreichten im Februar ihren Tiefpunkt. Im Frühjahr setzte eine Erholung ein, vor allem steigende Gaspreise und geopolitische Spannungen sorgten für Aufwärtsdruck. Eine hohe Wind- und Solarstromerzeugung sowie gut verfügbare französische Kernkraftwerke begrenzten den Anstieg zeitweise.
Ab dem Sommer verstärkte sich der Aufwärtstrend. Hohe Temperaturen erhöhten den Strombedarf und schränkten gleichzeitig die Kern- und Wasserkraftproduktion ein. Niedrige Wasserstände und schwächere Windstrommengen verschärften die Situation. Im Herbst beschleunigte sich der Preisanstieg nochmals. Hohe Gas- und Kohlepreise, niedrige Gasspeicherstände und geopolitische Risiken überwogen gegenüber den zeitweise preisdämpfenden Effekten der erneuerbaren Stromerzeugung.
Volatile Preise zwischen Erneuerbaren, Gas und CO₂
Der deutsche Strommarkt war 2024 von starken Schwankungen geprägt. Zu Jahresbeginn drückten sinkende Gas- und CO₂-Preise, hohe Gasspeicherstände, viel Windstrom und die bessere Verfügbarkeit französischer Kernkraftwerke die Preise. Gleichzeitig blieb die industrielle Stromnachfrage aufgrund der schwachen Konjunktur niedrig.
Ab dem Frühjahr sorgten steigende Gas- und CO₂-Preise sowie zeitweise eingeschränkte Stromimporte aus Frankreich für Aufwärtsdruck. Gleichzeitig nahm der Einfluss erneuerbarer Energien zu: Eine hohe Solarstromerzeugung führte mittags wiederholt zu niedrigen oder negativen Spotpreisen, während eine geringe Wind- und Solarstromproduktion die Preise steigen ließ.
Im Sommer erhöhten Hitzewellen den Strombedarf und schränkten zeitweise die französische Kernkraftproduktion ein. Im Herbst belastete die schwache Industriekonjunktur erneut die Preise. Mit Beginn der Heizperiode führten steigende Gaspreise und Dunkelflauten dagegen zu deutlichen Preisspitzen. Zum Jahresende wirkten mildes Wetter, mehr Windstrom und die schwache Nachfrage erneut preisdämpfend.
Strompreisentwicklung 10 Jahre
Die Strompreisentwicklung der letzten 10 Jahre zeigt zunächst einen vergleichsweise moderaten Anstieg. Nach den Strompreisanalysen des BDEW erhöhte sich der durchschnittliche Haushaltsstrompreis bei einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh von 29,14 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2014 auf 32,16 Cent im Jahr 2021.
Ab 2022 veränderte sich die Entwicklung deutlich: 2022 stieg der Durchschnittspreis auf 37,91 Cent und erreichte 2023 mit 45,73 Cent einen vorläufigen Höchststand. 2024 ging er wieder auf 40,92 Cent pro Kilowattstunde zurück.
Der Strompreis über 10 Jahre ist damit nicht kontinuierlich gestiegen. Auf eine längere Phase mit relativ geringen Veränderungen folgten innerhalb kurzer Zeit starke Preissprünge. Zwischen 2014 und 2023 erhöhte sich der durchschnittliche Strompreis um rund 57 Prozent. Die Entwicklung macht deutlich, dass historische Strompreise zwar Orientierung bieten, sich daraus aber keine verlässliche Prognose für zukünftige Stromkosten ableiten lässt.
Strompreisentwicklung der letzten 20 Jahre
Die Strompreisentwicklung der letzten 20 Jahre zeigt drei unterschiedliche Phasen. Bis 2013 kannten die Strompreise für private Haushalte überwiegend nur eine Richtung: nach oben. Insbesondere steigende Umlagen trugen dazu bei, dass sich der Haushaltsstrompreis gegenüber dem Jahr 2000 mehr als verdoppelte.
- 2013 zahlte ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh laut BDEW durchschnittlich knapp 29 Cent pro Kilowattstunde.
- Von 2014 bis 2021 bewegten sich die Strompreise vergleichsweise moderat zwischen rund 28,7 und 32,2 Cent pro Kilowattstunde.
- Diese Phase endete 2022: Mit den starken Verwerfungen auf den Energiemärkten stiegen auch die Strompreise deutlich.
- Seitdem hat sich das Preisniveau wieder von den Höchstständen des Jahres 2023 entfernt, liegt jedoch weiterhin über dem Niveau vor der Energiekrise.
Die vergangenen Jahre zeigen damit vor allem eines: Langfristige Strompreisentwicklungen lassen sich nur eingeschränkt prognostizieren. Für Investitionsentscheidungen sollte die erwartete Entwicklung des Strompreises deshalb nicht als alleinige Grundlage dienen.
Strompreisentwicklung Prognose
Wie sich die Strompreise langfristig entwickeln, lässt sich nicht eindeutig vorhersagen. Verschiedene Szenarien zeigen jedoch, welche Entwicklung bis 2042 möglich ist. Eine vergleichsweise moderate Prognose der Strompreisentwicklung geht davon aus, dass sich der Haushaltsstrompreis langfristig in einer Größenordnung von rund 40 Cent pro Kilowattstunde bewegt. Ausgangspunkt ist ein Preisniveau von etwa 37 bis 38 Cent, das in den kommenden Jahren schrittweise steigen könnte.
Deutlich höhere Werte ergeben sich, wenn die historische Preisentwicklung fortgeschrieben wird. Bei einer jährlichen Steigerungsrate von rund 4,2 Prozent wären bis 2042 etwa 70 Cent pro Kilowattstunde möglich. Ein mittleres Szenario berücksichtigt dagegen einen langfristigen linearen Preisanstieg beziehungsweise eine Entwicklung nahe der Inflation. Daraus ergibt sich ein Wert von rund 50 Cent pro Kilowattstunde.
Die Strompreisentwicklung bis 2035 und darüber hinaus bleibt dabei von mehreren Faktoren abhängig. Dazu zählen insbesondere Investitionen in die Stromnetze, Kosten für Systemdienstleistungen sowie die Entwicklung der Energieimportpreise.
Robert Duranec
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