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Energiepreise im Höhenflug – Was nun?

Eine Einordung im Experteninterview

Die Energiepreise, insbesondere am Gasmarkt, aber auch für Strom und Öl bewegen sich auf Höchstniveau. Die Ursachen sind vielschichtig. Der weltweit enorm gestiegene Energiebedarf nach Ende der Corona-Beschränkungen, ungewohnt niedrige Gasspeicherbestände sowie das Wetter können als die Hauptursachen genannt werden. Zudem führte ein windarmer Sommer 2021 dazu, dass erneuerbare Energien wie Windkraft nicht wie erhofft genutzt werden konnten. Trotz der ehrgeizigen und notwendigen Klimaziele könnten Kohlekraftwerke, Atomkraft und Öl wieder eine Renaissance erleben. Erste Energieversorger melden Insolvenz an. Die Sorge um eine Inflation wächst. 

 

                           

Robert Duranec 
ist seit über 15 Jahren im Energiehandel tätig. Als Leiter Handel und Portfoliomanagement verantwortet er die Energiebeschaffung und Bewirtschaftung des Erdgas- und Stromportfolios der MONTANA Energieversorgung. Unsere Redaktion hat ihn befragt, was die derzeitige Entwicklung für die Wohnungswirtschaft bedeutet.

 

Redaktion: Herr Duranec, vor allem die Erdgas-, aber auch die Strompreise haben zu Beginn des Winters schwindelerregende Höhen erreicht. Wie schätzen Sie die Lage ein? Handelt es sich um ein kurzfristiges Phänomen?

R. Duranec: Die Preise werden im Winter auf einem hohen Niveau bleiben. Wir haben derzeit extreme Marktbewegungen. Sowohl für Gas und Strom, aber auch für Öl. Die Nervosität der Märkte hat dabei mehrere, sich gegenseitig verstärkende Ursachen: Eine der Hauptursachen ist die starke Nachfrage aus Asien, insbesondere China. Dann die Gasknappheit, verursacht auch durch zu geringe Gasflüsse aus Russland und kaum nennenswerte Lieferungen an verflüssigtem Erdgas (LNG) nach Europa, das derzeit primär in Asien abgesetzt wird. Darüber hinaus deuten erste Prognosen auf einen eher kalten Winter hin. Hinzu kommt, dass mit der Wiederbefüllung der Erdgasspeicher in Europa erst spät und zögerlich begonnen wurde. Da die Windkraftausbeute in diesem Jahr geringer war, müssen verstärkt Erdgas und Kohle zur Stromerzeugung herangezogen werden. Das treibt die Nachfrage zusätzlich in die Höhe und gibt den CO2-Preisen Aufwind. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Wir befinden uns vielmehr weiterhin in einem starken Aufwärtstrend.

Wie schätzen Sie die Lage am Ölmarkt ein? Und was raten Sie Heizölkunden, die sich für den Winter noch nicht ausreichend mit Heizöl eingedeckt haben?

R. Duranec: Das Ende von Corona hat zu einer Wirtschaftserholung mit einem regelrechten Nachholeffekt geführt. Grundsätzlich ein positives Signal an den Markt. Allerdings fördert die OPEC+ weniger Erdöl, als sie könnte, und kann bzw. möchte derzeit die starke Nachfrage nach Rohöl nicht bedienen, profitiert aber gleichzeitig von den hohen Preisen. Daran wird sich auch in nächster Zeit wenig ändern. Ergo: Wenn jemand jetzt vor dem Winter noch zu wenig Öl hat, dann sollte er handeln. Auch der Ölpreis wird in absehbarer Zeit nicht mehr niedriger, vermutlich zumindest nicht bis Ende des Winters. Heizölkunden sollten nicht abwarten, sondern jetzt kaufen.

Wie kommen die hohen Preise eigentlich zustande und welche Einkaufsstrategie verfolgt MONTANA?

R. Duranec: Die Preise entstehen am Markt, entweder zwischen großen Handelsteilnehmern oder auch an der Börse, und richten sich nach Angebot und Nachfrage. Der Großteil des Bedarfs wird auf dem Terminmarkt eingekauft, wo Kontrakte für unterschiedliche Belieferungszeiträume und mit unterschiedlichen Vorlaufzeiten gehandelt werden. Daneben gibt es den Spotmarkt, auf dem kurzfristige Lieferungen für den gleichen Tag oder den Folgetag gehandelt werden. MONTANA orientiert sich an den Beschaffungsstrategien, die mit den Kunden vereinbart sind, und kauft sehr vorausschauend ein. Verbleibende Risiken, etwa durch witterungsbedingte Mengenabweichungen, minimieren wir durch einen intelligenten Mix der Kontrakte sowie ergänzende Spotmarktkäufe.

Was bedeutet die ganze Marktpreisentwicklung für uns in Zukunft? Wird Energie zu einem Hochpreisprodukt?

R. Duranec: Experten gehen davon aus, dass sich die Lage auf mittlere Sicht wieder etwas entspannt. Zum einen erwarten wir erhöhte Lieferungen aus Russland. Entweder weil die Nordstream II in Betrieb geht oder Russland mehr Gas über die bestehenden transnationalen Pipelines zur Verfügung stellt. Zudem wird die derzeitige hohe Nachfrage dauerhaft nicht Bestand haben, weil die zu Grunde liegenden Faktoren sich abschwächen werden und die Speicher sukzessive wieder aufgefüllt werden. Unabdingbar wird allerdings der zügige Ausbau der erneuerbaren Energien sein, um langfristig die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern.

Der windarme Sommer 2021 hat aber auch gezeigt, dass die erneuerbaren Energien nicht so verlässlich sind wie erhofft. In welchen Technologien sehen Sie die Zukunft?

R. Duranec: In Deutschland gibt es nach wie vor viel zu wenig Wind- und Photovoltaikanlagen. Diese müssen ausgebaut werden. Auch die Speichertechnologien müssen weiterentwickelt werden. Gleichwohl ist klar, dass insbesondere Erdgas weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird. Aber auch hier müssen wir die Entwicklung von klimaneutral erzeugtem Gas vorantreiben. Neben Biogas ist das vor allem auch regenerativ erzeugtes Gas, z. B. Wasserstoff.

 

 

 

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