Venezuela und der Ölmarkt
Militärische Attacken auf ein Ölförderland lösten in der Vergangenheit häufig Preisanstiege aus. Sofort stand die Frage im Raum, ob die Versorgung gewährleistet werden könnte. Doch bei der US-Intervention in Venezuela Anfang Januar 2026 war es anders.
Trotz der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro und militärischer Operationen in Venezuela blieb ein Preissprung aus. Die Ölpreise fielen Anfang Januar sogar leicht, obwohl Venezuela das Land mit den größten Ölreserven der Welt ist.
Grund dafür ist ein Überangebot an Rohöl, auf das Venezuelas Ölexport keinen Einfluss hat. Dies geht aus Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris hervor. Diese sagt 2026 ein Überangebot von vier Prozent voraus, also vier Millionen Barrel pro Tag. Venezolanisches Öl macht knapp eine Million Barrel aus, sodass immer noch ein großes Überangebot bestehen würde, wenn Venezuela seine Lieferungen komplett einstellen würde.
Es geht ums Öl
Trotz dieses geringen Einflusses der venezolanischen Ölvorräte auf den Weltmarkt sind diese der Grund für den US-Angriff. Das geht aus der Pressekonferenz zum Einsatz hervor, bei der Donald Trump den "Krieg gegen Drogen" kaum erwähnte, der monatelang als Hauptbegründung für die Militäroffensive genannt worden war. Stattdessen sprach der Präsident ungefragt mehr als ein Dutzend Mal über Öl.
US-Ölkonzerne in Venezuela
Mit rund 303 Milliarden Barrel verfügt Venezuela über etwa 17 Prozent der globalen Ölreserven. Genutzt wird dieses Potenzial durch Missmanagement, mangelnde Investitionen und Sanktionen allerdings kaum. Donald Trump will das ändern und die US-Ölindustrie zurück nach Venezuela holen.
US-Unternehmen förderten seit Beginn des 20. Jahrhunderts Öl in Venezuela, bis sie 2007 durch den damaligen Präsidenten Hugo Chávez faktisch enteignet wurden. Die von internationalen Schiedsgerichten zugesprochenen Entschädigungen von über elf Milliarden Dollar zahlte Venezuela so gut wie nicht.
Nur Chevron blieb mit einer Sonderlizenz aktiv und würde von einer Öffnung Venezuelas für US-Ölkonzerne wohl am stärksten profitieren. Aktuell kontrolliert der Konzern über 25 Prozent der Ölförderungen. Rund 50 Prozent befinden sich in venezolanischer Staatshand, der steht unter chinesischer, russischer und europäischer Führung.
Trump spricht von "einem der größten Diebstähle amerikanischen Eigentums in der Geschichte unseres Landes". Dieses laut Trump "gestohlene Öl" solle nun zurückgeholt werden.
Einen Rechtsanspruch der USA auf die natürlichen Reserven Venezuelas gibt es jedoch nicht. Als souveräner Staat hat das Land ein inhärentes Recht, die Ressourcen in seinem Hoheitsgebiet zu kontrollieren. So legten es die Vereinten Nationen im “Prinzip der dauerhaften Souveränität über natürliche Ressourcen” 1962 fest.
Fragwürdige Vorteile für die USA
Branchenvertreter äußerten aus verschiedenen Gründen mehrfach Bedenken zum Wiederaufbau der maroden Ölinfrastruktur des Landes. Zum einen wird in Venezuela sogenanntes “schweres Öl” gefördert. Durch seine Zähflüssigkeit ist es mühsam zu verarbeiten und wird daher deutlich billiger als "leichtes Öl" etwa aus dem Nahen Osten oder der Nordsee gehandelt. US-Konzerne zögern daher mit Investitionen.
Auch frühere Regimewechsel zeigen, dass ein solches Engagement US-Firmen nicht zwangsläufig zugutekäme: Beispielsweise zogen die USA keinerlei Nutzen aus irakischem und libyschem Öl. Ob eine Rückkehr nach Venezuela tatsächlich zum großen Geschäft für die US-Ölindustrie wird, bleibt daher offen.
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