Erdgaspreisentwicklung im Rückblick
Das Wichtigste in Kürze
- Die Blockade der Straße von Hormus, Ausfälle von LNG-Lieferungen und Unsicherheiten über die Energieinfrastruktur führten zu einer hohen Sensibilität der Märkte gegenüber politischen und militärischen Entwicklungen.
- Zwar sorgten höhere Exporte aus Norwegen und neue LNG-Kapazitäten in den USA zeitweise für Entlastung, ungeplante Ausfälle, der globale Wettbewerb um LNG und der Wegfall russischer Bezugsoptionen hielten den Beschaffungsdruck jedoch hoch.
- Der Füllstand der deutschen Speicher stieg bis Ende Juni lediglich auf rund 40 Prozent und lag damit unter dem Vorjahres- und Durchschnittsniveau. Fehlende wirtschaftliche Anreize zur Einspeicherung erschwerten den Aufbau von Winterreserven.
Eskalation im Nahen Osten beeinflusst Gaspreise
Hauptursache war die anhaltende Eskalation im Nahen Osten. Der Konflikt rund um den Persischen Golf und insbesondere die Blockade der Straße von Hormus beeinträchtigten zentrale Transportwege für Öl und Flüssiggas. Weil LNG-Mengen aus wichtigen Exportregionen zeitweise ausfielen und die Beeinträchtigungen infolge der Schäden an Energieinfrastruktur nicht vollständig absehbar waren, blieben die Marktteilnehmer äußerst sensibel für politische oder militärische Entwicklungen. Selbst Phasen diplomatischer Annäherung konnten die Preise nur kurzfristig drücken.
Hinzu kam eine angespannte Versorgungslage in Europa. Zwar verbesserten sich die norwegischen Exporte zeitweise nach Wartungsarbeiten, gleichzeitig blieben weitere Unterbrechungen und ungeplante Ausfälle aber ein Belastungsfaktor. Zusätzliche Hoffnung kam von neuen US-LNG-Kapazitäten, doch diese konnten die strukturelle Knappheit nur begrenzt abfedern, da sich gleichzeitig der globale Wettbewerb um verfügbare LNG-Mengen erhöhte. Auch politische Entscheidungen wie das Auslaufen kurzfristiger russischer LNG-Optionen verstärkten den Beschaffungsdruck.
Besonders kritisch entwickelte sich die Speichersituation. Die deutschen Gasspeicher stiegen im Quartalsverlauf nur langsam von 24 Prozent Mitte April auf rund 40 Prozent Ende Juni. Damit liegt das Niveau unter dem fünfjährigen Durchschnitt und auch unter dem Vorjahresstand in Europa. Ein wesentliches Problem war die fehlende Wirtschaftlichkeit der Einspeicherung: Der negative Winter-Sommer-Spread setzte bislang kaum marktwirtschaftliche Anreize, größere Mengen für den Winter aufzubauen.
Ausblick: Ein risikoreiches drittes Quartal
Für das kommende Quartal bleibt der Ausblick deshalb angespannt. Solange geopolitische Risiken, fragile Lieferketten, Hitzewellen und schwache Speicherfortschritte zusammenwirken, ist nicht mit einer nachhaltigen Beruhigung zu rechnen. Der Markt dürfte vielmehr volatil bleiben – mit hoher Reaktionsgeschwindigkeit auf jede Nachricht aus den Konfliktregionen, auf Infrastrukturmeldungen und auf Veränderungen im globalen LNG-Wettbewerb.
Zusammensetzung des Gaspreises
Neben den Beschaffungspreisen, die die Kosten für den Einkauf von Gas abdecken, besteht Ihr Erdgaspreis aus folgenden Bestandteilen:
Netznutzungsentgelte, Kosten für Vertrieb und Abrechnung, Steuern und Abgaben
Beispielhafte Darstellung für Haushaltskunden in Deutschland bei 20.000 kWh
- 22 % Netzentgelte und Konzessionen
- 34 % staatlich festgelegte Steuern und Abgaben
- 36 % Kosten für Beschaffung
- 8 % Kosten für Vertrieb und Abrechnung (MONTANA)
(Quelle MONTANA, Stand: Januar 2026)
Robert Duranec
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